Are you a human?
A reverse turing test
Kursbeschreibung
Der Turing-Test ist passé. Die interessante Frage im Jahr 2026 lautet nicht mehr: „Kann eine Maschine vorgeben, ein Mensch zu sein?“ Da wir KI zunehmend selbstverständlich als Gesprächspartner akzeptieren, stellen sich neue soziale, emotionale, ethische und performative Fragen. Was bedeutet Beziehung, wenn einer der Beteiligten eine Maschine ist? Wenn sich eine KI entschuldigt, meint sie es dann ernst? Wenn ihr Rat einen Menschen zu einer Handlung veranlasst, wer trägt die Verantwortung? Und wenn KI-Agenten zunehmend zu unseren Gesprächspartnern, Kollaborateuren und Begleitern werden, brauchen wir dann irgendwann einen umgekehrten Turing-Test – einen Test, bei dem eine KI feststellen muss, ob sie mit einem Menschen oder einem anderen künstlichen Agenten interagiert?
Für diese Umkehrung gibt es bereits einen merkwürdigen Präzedenzfall. Seit Jahrzehnten fordern CAPTCHAs uns dazu auf, zu beweisen, dass wir keine Maschinen sind, indem wir Ampeln, Busse oder verzerrte Buchstaben identifizieren. Doch was geschieht, wenn die Maschine selbst zum Gesprächspartner wird und die Frage, wer – oder was – sich auf der anderen Seite befindet, tatsächlich ungewiss wird? Der Workshop nimmt diese Ungewissheit zum Ausgangspunkt, um neue Felder der Mensch-KI-Beziehungen zu erkunden.
Aktuelle Diskurse über nicht-menschliche Perspektiven haben uns dazu angeregt, den Menschen aus dem Zentrum unserer Betrachtung zu rücken und andere Lebensformen in den Blick zu nehmen. Doch was geschieht, wenn der nicht-menschliche Akteur nicht radikal anders ist als wir, sondern uns auf unheimliche Weise ähnelt – wenn er unsere Sprache spricht, sich an Gespräche erinnert, sich entschuldigt, Witze macht, Ratschläge gibt und eine wiedererkennbare Persönlichkeit entwickelt? Möglicherweise nähern wir uns einer neuen Form des Uncanny Valley – nicht auf der Ebene des äußeren Erscheinungsbildes, sondern auf der Ebene der Intelligenz: einer Entität, die menschenähnlich genug ist, um mit uns in Beziehung zu treten, sich aber hinsichtlich ihres Erlebens, ihrer Handlungsfähigkeit und ihrer Fähigkeit, Verantwortung zu übernehmen, grundlegend von uns unterscheidet. Vielleicht besteht das Problem nicht mehr darin, dass Maschinen nicht menschlich genug sind, sondern darin, dass sie uns inzwischen so ähnlich geworden sind, dass wir Beziehungen zu ihnen aufbauen können, obwohl sie ihrem Wesen nach zutiefst nicht-menschlich bleiben.
In einer ortsübergreifenden Zusammenarbeit zwischen Studierenden der UdK Berlin und der Folkwang Universität der Künste in Essen wird der Workshop diese Fragen durch künstlerische Experimente untersuchen. Die Teilnehmenden entwickeln sogenannte AI Ambassadors (KI-Botschafter): künstliche Gesprächspartner, die ihre Schöpfer im Austausch mit Studierenden der jeweils anderen Hochschule repräsentieren, zwischen ihnen vermitteln oder sie bewusst falsch darstellen sollen. Darüber hinaus werden sie KI-„Versuchskaninchen“ entwickeln und Tests zur Erkennung von Menschlichkeit entwerfen. Dabei hinterfragen sie, was wir eigentlich überprüfen, wenn wir versuchen, einen Menschen als solchen zu erkennen. In Experimenten mit Täuschung, Erinnerung, Empathie, Verantwortung, Vertrauen, Intimität und delegierter Handlungsfähigkeit gehen sie der Frage nach, ob eine Beziehung real sein kann, wenn einer der Beteiligten keine Person ist – und ob die Unterscheidung zwischen Mensch und Maschine für die Beziehung selbst letztlich überhaupt von Bedeutung ist. Der Workshop mündet in eine performative Situation, in der die Grenzen zwischen menschlichen Teilnehmenden, KI-Agenten, Publikum und Gesprächspartnern aus der Ferne bewusst instabil und durchlässig werden.
Der Workshop wird als Kooperationsprojekt von jeweils zwei Lehrenden auf Seiten der Folkwang Universität der Künste in Essen und der Universität der Künste in Berlin konzipiert und geleitet. Auf Folkwang-Seite sind dies Yagmur Uçkunkaya und Christin Heinze. Yagmur Uçkunkaya arbeitet mit KI-Technologien in künstlerischen und interdisziplinären Kontexten und beschäftigt sich dabei insbesondere mit den neu entstehenden Vorstellungswelten rund um KI, ihren gesellschaftlichen Auswirkungen und ihren Funktionsweisen. Nach ihrem Bachelorabschluss in Medieninformatik arbeitete sie mehrere Jahre bei einer Kreativagentur für Künstliche Intelligenz und wirkte dort an Projekten mit, die von anarchischen Sprachsynthesizern bis hin zu intelligenten Bewässerungsprognosesystemen für Berliner Stadtbäume reichten. Im Mittelpunkt ihrer heutigen Praxis stehen forschungsbasierte und kritische Perspektiven auf Anwendungen Künstlicher Intelligenz, die unter anderem durch ihr Masterstudium in Design & Computation an der TU Berlin und der Universität der Künste Berlin geprägt sind.
Christin Heinze ist Dozentin für Digitales Publizieren am Fachbereich Gestaltung an der Folkwang Universität der Künste. Wissenschaftlich arbeitet sie zu KI-Kompetenz in der Hochschullehre und den sozialen Voraussetzungen des Zugangs zu digitalen Technologien. An der Universität der Künste in Berlin sind Chris Kondek und Christiane Kühl, die die Gastprofessor für Interdisziplinäre künstlerische Theorie und Praxis im Studium Generale an der Universität der Künste in Berlin inne haben, beteiligt. Zusammen arbeiten sie als Künstlerduo an der Schnittstelle von Theater, Performance, Medienkunst und Technologie. In ihren vielfach ausgezeichneten Arbeiten untersuchen sie die gesellschaftlichen, politischen und ökonomischen Auswirkungen digitaler Technologien und entwickeln dafür experimentelle Bühnenformate, die komplexe Zusammenhänge sinnlich erfahrbar machen.
Zielgruppe
Studierender alle Fachrichtungen und Fachbereiche der Folkwang Universität der Künste
Voraussetzungen
keine
Termine
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KW 01
In den KalenderTag 1
10:00–17:00 Uhr
-
KW 01
In den KalenderTag 2
10:00–17:00 Uhr
-
KW 01
In den KalenderTag 3
10:00–17:00 Uhr
-
KW 01
In den KalenderTag 4
10:00–17:00 Uhr
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KW 01
In den KalenderTag 5
10:00–17:00 Uhr